Wie schon gesagt hatten wir in Toronto eine Stunde Verspätung, was aber nicht schlimm war, weil das WLAN gratis war. Der Flughafen ist echt riiieeesig und ich hätte mich allein auf dem Weg zum Klo schon fast verlaufen. Wobei wir auch schon bei meinem Lieblingsthema wären: Die Toiletten hier sind echt seltsam. Vielleicht habt ihr in amerikanischen Filmen oder Büchern schon mal von "Swirlies" gehört: So nennt man das, wenn Mobber anderen Kindern den Kopf ins Klo stecken und die Spülung ziehen. Ich hab mich schon immer gefragt, wie man in Toiletten überhaupt das Gesicht unter Wasser kriegen kann. Kanadische Toiletten machen's möglich: Das Wasser steht ungefähr doppelt so hoch wie in deutschen Klos drin und beim Spülen wird es nach unten abgesaugt und läuft dann von unten wieder nach.
Oh Gott. Hab ich jetzt wirklich einen ganzen Absatz über Toiletten geschrieben? Muss der viele Zucker sein.
Anyways, der Flug nach Edmonton war dann ganz in Ordnung. Allerdings hätte ich schon erwartet, dass ich auf einem dreieinhalb-Stunden-Flug etwas zu essen bekomme - naja, aber immer hin war es erlaubt, Essen und Trinken mit an Bord zu bringen. In Edmonton angekommen, stieg dann die Spannung: Wir mussten bloß aus dem Flugzeug raus, da haben auch schon die Gastfamilien gewartet. Auf dem Flughafen Edmonton ist es nämlich so, dass Kofferausgabe für die ganzen Abholer frei zugänglich ist. Fragt mich aber nicht warum. Und da stand auch schon meine Gastfamilie: Meine Austauschpartnerin Miranda, ihre Eltern Judy und David, ihre große Schwester Ashley und deren Freund Justin. Zum Glück hatten sie ein großes Plakat mit meinem Namen drauf, so habe ich sie gleich erkannt :) Meine beiden Koffer (ja, ich hatte gut 10 Kilo Übergepäck und musste deswegen noch einen zweiten Koffer aufgeben) kamen zum Glück recht schnell, dann haben wir uns noch bei den "Betreuern" abgemeldet und dann ging es auch schon los ins große Abenteuer!! :)
Als wir im Parkhaus waren, war ich erst mal ganz geschockt von dem Riesen-Auto, was die Familie hat. Es ist ein gigantischer schwarzer Truck mit einer geschlossenen Ladefläche und er ist so hoch, dass ich ein-Meter-sechzig-Zwerg fast nicht reingekommen wäre :D Die meisten Leute haben hier so riesige Autos, Jeeps, Trucks, SUVs und so weiter... Die Autos, die hier klein sind, wären für deutsche Verhältnisse schon relativ groß. Ich frag mich, wie Miranda wohl reagiert, wenn sie unseren Opel Corsa zu Gesicht bekommt. Und weil die Autos so groß sind, brauch man natürlich auch riesige Straßen. Insgesamt ist alles viel viel größer hier als in Deutschland... Die ganze Landschaft ist viel weiter, alles ist weiter voneinander entfernt und man bestimmt doppelt so weit bis zum Horizont schauen wie in Deutschland. Ach, und noch was zu den Autos: Hier kann man sich anscheinend wie in den USA die Kennzeichen frei aussuchen. Bis jetzt habe ich schon " GOLD 5" und "BIG L" gesehen, aber mein absoluter Liebling ist immer noch "MR LATE". So ein Kennzeichen will ich auch!
Nach ungefähr einer halben Stunde kamen wir dann in Sherwood Park an. Man kann kaum glauben, dass der Ort 80.000 Einwohner hat, weil alles so kleinstädtisch wirkt. Die Häuser sind alle aus buntem Holz und haben meistens nur ein Stockwerk, ganz, wie man sich das in Kanada vorstellt. Das Haus von meiner Gastfamilie gehört mit den zwei Stockwerken schon zu den größeren hier. Mein Zimmer ist ganz in Ordnung. Es ist relativ klein, hat nur ein kleines Fenster und keinen Schreibtisch, aber dafür hab ich ein weiches Queen-Size-Bett und einen großen Wandschrank.
Als ich dann am Samstagabend total übermüdet war und schon etwas mit dem Auspacken angefangen hatte, sind wir noch mal losgefahren zum Abendessen.Wir waren bei Boston Pizza, das ist eine Restaurantkette, die trotz ihres Namens nicht nur Pizza, sondern auch alles andere, was irgendwie fettig ist, serviert. Die Pizzen waren echt gut, aber sehr groß! Zum Glück ist es hier üblich, dass man sich die Reste aus dem Restaurant mitnehmen darf :) In dem Restaurant haben wir auch noch Mirandas andere Schwester Candice und ihren Freund Everett (der Halbdeutscher ist, aber fast kein Deutsch mehr spricht) getroffen.
Das Lustigste an dem Abend war, fand ich, als der Vater David der Kellnerin erzählt hat, dass ich gerade aus Deutschland gekommen wäre und sie dann gesagt hat "Oh, aus dem Urlaub? Wie war's denn?" :D Hat mich schon amüsiert!
Am nächsten Morgen sind wir dann zur Mall von Sherwood Park gefahren und haben dort in einem Diner - Restaurant? Cafe? - gefrühstückt. Es war wirklich, wie man das aus den Filmen kennt: Stoffbezogene Sitzbänke, Pancakes, Spiegeleier, Bacon, Kellner, die die ganze Zeit darumlaufen und Kaffee nachschenken - genau, wie ich es mir vorgestellt hab :)
Abends, als wir vom See zurückkamen und noch ganz kalt und nass vom Sea-Dooing waren, sind wir noch mal in den Whirlpool im Garten gegangen. Das ist schon Luxus! ;)
Am Montag bin ich mit Miranda und ihrer Freundin in die West Edmonton Mall, eine der größten Malls der Welt mit über 800 Geschäften, gefahren. Mirandas Freundin ist gefahren und am Anfang hatte ich schon ein paar Zweifel, dass jemand in meinem Alter schon gut und verantwortungsbewusst fahren könnte, aber die waren komplett unberechtigt. Der Führerschein mit 16 scheint doch keine schlechte Idee zu sein, zumindest was Mirandas Freundin betrifft :D Mirandas Freundin ist übrigens echt nett und hat mich auf der Fahrt auch ziemlich viel nach Deutschland gefragt. Meine Lieblingsfrage ist: "In Deutschland ist doch die Autobahn, oder? Fahren da alle verrückt, weil ihr da kein Tempolimit habt?" Ich hab einfach mal geantwortet, dass nur wenige Leute bekloppt fahren und wir auch viele Autobahnen mit einer Begrenzung von 130 haben. Was hättet ihr geantwortet? :)
Als wir in der Mall angekommen sind, erschien sie mir erst gar nicht so groß. Wie riesig sie ist, wird einem erst bewusst, wenn man mal von einem Ende zum anderen läuft und dabei in jeden Seitengang reingeht.
Die meisten Geschäfte dort kannte ich leider nicht. Es war fast schon etwas peinlich, auf die Frage, ob man diesen oder jenen Shop kennt, immer mit Nein zu antworten...
Ich hab leider nicht so viele schöne Sachen gefunden, aber bei Aeropostale (wieder ein Laden, den es bei uns nicht gibt) hab ich eine Jacke und zwei T-Shirts im Schlussverkauf gekauft und ich hoffe, dass wir irgendwann noch mal zu Abercrombie & Fitch gehen :)
Gestern Morgen mussten wir dann zur Schule, um mich anzumelden. Mit den anderen zwei Deutschen und ihren Austauschpartnern saßen wir dann mit der Deutschlehrerin und der deutschen und der kanadischen Austauschbetreuerin im Deutsch-Klassenraum und haben unsere Kurse gewählt. Ich habe mich für Englisch, Mathe, Legal Studies (Gesetzeswissenschaften) und Kochen angemeldet, aber ich weiß nicht, ob ich in allen Kursen einen Platz bekomme. Alternativen wären Yoga, Kosmetik und Bio. Nachmittags haben wir unterschriebene Formulare zur Schule zurückgebracht und Miranda hat mir die Schule gezeigt. Die Salisbury Composite High hat ca. 1000 Schüler der Klassen 10 bis 12. Die Gänge sehen so aus, wie man sie aus den amerikanischen Filmen kennt: Gesäumt von Schließfächern in den Schulfarben und ganz viele von diesen Trinkbrunnen. Die Klassenräume sind nach Fächern sortiert (also z.B. alle Wissenschaftsräume in einem Gang) und haben größtenteils keine Fenster. Außerdem hat jeder Lehrer seinen eigenen festen Raum und die Schüler müssen nach der Stunde den Raum wechseln, nicht andersrum wie bei uns. Was ich allerdings am interessantesten fand, war, dass die Schule einen Geldautomaten in der Pausenhalle hat. Für mich war Schule bis jetzt nie ein Ort, an dem man viel Bargeld braucht... Ich werde das mal weiter beobachten :)
Mittags sind wir mit einer Freundin von Miranda in der Sherwood Park Mall essen gegangen. Root Beer schmeckt echt klasse und ich habe wahrscheinlich die einzigste Fastfoodkette gefunden, die kein Eis in die Getränke macht :D Ich hab in den letzten Tagen so viel Fast Food gegessen wie sonst vielleicht in drei Wochen! Gut, dass ich ein paar Klamotten vorsorglich zu groß gekauft habe :)
Nachmittags haben Miranda und ich dann Wii gespielt (und gegen den Computer verloren!) und den Hund der Familie Tessie und Candices Welpen Leo im Park Gassi geführt. Dazu muss man allerdings sagen, dass ein Park in Kanada einfach eine große Wiese mit so einem Ball-Auffanggitter für Baseball, einer Bank und einen Kinderklettergerüst ist.
Heute war nicht viel los, hauptsächlich zu Hause gesessen, gesurft und gelesen.
Aber dafür geht's morgen für vier Tage zum Camping in die Rockies (in der Nähe von Banff) und dann nach Calgary!! Ich hab heute schon mal den Trailer gesehen, er ist ungefähr doppelt so groß wie deutsche Wohnwagen und jeder hat ein Queen-Size-Bett :)
Ich freu mich so auf die Berge! Hoffentlich bekomme ich ein paar gute Fotos, die ich hier posten kann.
Viele Grüße
Denise